Leitlinie Intraoralscanner, Gemini faßt zusammen

Die Zusammenfassung beim ÄND bietet m. E. nur wenig Inhalt, hat mich aber immerhin am 15. 3. 26 auf die neue Leitlinie (AWMF 083-049) aufmerksam gemacht.

Also Langfassung der Leitlinie bei Gemini hochgeladen und gefragt: „Bitte referiere überraschende oder interessante Punkte der Leitlinie, die für jemanden neu sein könnten, der sich schon etwas anhand von Youtubevideos wie beim Institute of Digital Dentistry angeboten, mit IOS beschäftigt hat." Geminis Antwort:

Die S2k-Leitlinie „Intraoralscan in der Zahnmedizin" bietet eine wissenschaftlich fundierte Einordnung, die oft über die rein technische Begeisterung von YouTube-Kanälen wie dem Institute of Digital Dentistry hinausgeht. Während Tutorials häufig die Machbarkeit betonen, fokussiert sich die Leitlinie auf die Evidenz und die klinische Verlässlichkeit.

Hier sind interessante und teils überraschende Punkte, die über das übliche „How-to"-Wissen hinausgehen:

1. Die „Präzisions-Lücke" bei Ganzkieferscans

In Videos sieht man oft mühelose Ganzkieferscans. Die Leitlinie stellt jedoch klar:

Pro: Bei Einzelzähnen und kleineren Brückenspannen ist der IOS dem analogen Abdruck mindestens ebenbürtig (Empfehlung 4.11).

Kontra: Bei der Erfassung eines kompletten Zahnbogens für weitspannige Prothetik (z. B. 14-gliedrige Brücken) ist die klinische Evidenz für eine Überlegenheit gegenüber konventionellen Abformungen noch nicht ausreichend gefestigt. Es besteht das Risiko von „Stitching-Fehlern" (Aneinanderreihung von Einzelbildern), die sich über die Distanz summieren können (Kapitel 4.1).

2. Digitalisierung der Okklusion: Kein Selbstläufer

Viele Anwender verlassen sich auf den „Auto-Align"-Algorithmus der Software. Die Leitlinie warnt hier differenziert:

Interessanter Aspekt: Die Darstellung der statischen Okklusion am Monitor korreliert nicht immer perfekt mit der klinischen Situation. Die Leitlinie empfiehlt explizit, die digital ermittelten Kontakte klinisch mit Okklusionsfolie zu überprüfen (Empfehlung 4.6).

Beleg: Es wird darauf hingewiesen, dass die „virtuelle Montage" im Artikulator zwar möglich ist, die dynamische Okklusion (Kaubewegungen) aber oft noch eine Schwachstelle der digitalen Kette darstellt (Kapitel 4.5).

3. Kariesdiagnostik via IOS: Ergänzung, kein Ersatz

Moderne Scanner werben mit Fluoreszenz-Technologie zur Kariesfrüherkennung.

Kritischer Punkt: Die Leitlinie betont, dass der IOS zur Kariesdetektion lediglich als unterstützendes Verfahren eingesetzt werden sollte. Er ersetzt weder die visuelle Inspektion noch die röntgenologische Diagnostik (Empfehlung 4.10).

Neu für YouTube-Zuschauer: Der Einsatz von IOS-Daten zur reinen Befunddokumentation (Monitoring von Erosionen oder Abrasionen über Jahre) wird als sehr wertvoll eingestuft – was in technikfokussierten Videos oft zugunsten der Prothetik vernachlässigt wird.

4. Die Herausforderung „Schleimhaut" (Edentulous Jaws)

In Tutorials sieht man oft Scans von zahnlosen Kiefern mit speziellen Markern. Die Leitlinie ist hier deutlich zurückhaltender:

Einschränkung: Bei zahnlosen Kiefern ist die Lagegenauigkeit aufgrund fehlender fixer Referenzpunkte und der Verschieblichkeit der Schleimhaut kritisch.

Empfehlung: Für die Herstellung von Totalprothesen wird der IOS aktuell noch nicht als Standardverfahren empfohlen, es sei denn, es kommen Hilfsmittel zur Schleimhautmarkierung oder hybride Workflows zum Einsatz (Empfehlung 4.14).

5. Ökologische und hygienische Nuancen

Während YouTube oft auf die Zeitersparnis fokussiert, beleuchtet die Leitlinie auch Nachhaltigkeit und Hygiene:

Kontra: Der Einsatz von Einweg-Scankappen verbessert zwar die Prozesskette im Hinblick auf die Hygiene, ist aber unter ökologischen Gesichtspunkten kritisch zu hinterfragen (Kapitel 5.2).

Hygiene-Falle: Die Leitlinie weist darauf hin, dass die optische Leistungsfähigkeit des Scanners durch häufige Sterilisationszyklen (Trübung des Glases) leiden kann, was die Präzision schleichend verschlechtert – ein Aspekt, der in Produktvorstellungen selten erwähnt wird.

6. Weichgewebemanagement bleibt analog

Ein häufiger Irrglaube ist, dass der Scanner „besser" sieht als das Auge.

Klarstellung: Die physikalischen Gesetze der Abformung gelten weiterhin. Blut, Speichel und subgingivale Präparationsränder müssen wie beim analogen Abdruck mechanisch oder chemisch verdrängt werden (Retraktionsfäden). Der IOS kann nicht „durch" Flüssigkeiten scannen (Kapitel 4.3).

Fazit für Fortgeschrittene

Wer IDD-Videos kennt, beherrscht die Technik. Die Leitlinie ergänzt dieses Wissen um die notwendige klinische Skepsis, insbesondere bei der Totalprothetik und der rein digitalen Okklusionsbestimmung. Sie rückt das Monitoring (Verlaufskontrolle) als eigenständigen, wertvollen Fachbereich des IOS in den Fokus.

(M. L.: Also ich bleibe bei konventioneller Abformung und fotografischem Okklusionsprotokoll, wie hier gezeigt.)