Locatorprothese auf Implantaten
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Locatorprothese auf Implantaten
Eine Locatorprothese ist eine herausnehmbare Prothese, die auf Implantaten verankert ist. Der namensgebende Locator ist ein besonders robuster Druckknopf-Aufbau, der an jedem Implantat befestigt wird. In der Prothese sitzt eine passende Kunststoffmatrix (Gegenstück). Einmal eingerastet, sitzt die Prothese so fest, als wäre sie zementiert – sie lässt sich aber vom Patienten selbst jederzeit herausnehmen.
Locatorprothesen sind kostengünstiger als festsitzender Implantatersatz, weil der zahntechnische Aufwand für zementierte Keramikbrücken höher ist. Ein weiterer Vorteil: Der rote Kunststoff der Prothese lässt sich sehr viel einfacher an individuelle anatomische Verhältnisse anpassen als festsitzende Konstruktionen.
Technische Note: Geschichte, Einklebetechnik, Wissenschaft
Der Locator wurde 2001 von der US-Firma Zest eingeführt, die auf den aus der Schweiz ausgewanderten Zahntechniker Max Zuest zurückgeht, und später auch an andere Hersteller lizensiert. In Deutschland werden traditionell komplexere Verbindungselemente auf Implantaten bevorzugt (Teleskope, Stege), aber wissenschaftlich ist der Locator mindestens gleichwertig. In der wissenschaftlichen Literatur erstmalig recherchiert zum Locator habe ich 9/2010, 2012 meinen ersten Fall damit versorgt. Was sich geändert hat: Heute klebe ich die Locatormatrizengehäuse zusammen mit Herrn ZTM Heitmeyer direkt im Mund in die Prothese ein, weil das die unvermeidlichen, noch so minimalen Abweichungen zur realen Mundsituation ausschaltet, die durch eine Abformung und Modelle und Einkleben der Matrizengehäuse im Labor entstehen. Ein industriell gefertigter Druckknopf kann sein volles Potential nur entfalten, wenn beide Teile ohne Versatz ineinander fassen können. Der in der Prothese sitzende Kunststoffteil läßt sich bei Verschleiß leicht auswecheln und ist auch für verschiedene gewünschte Abzugskräfte verfügbar.
Meine aktuelle Literaturrecherche zum Locator finden Sie hier:
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Vorteile gegenüber festsitzendem Implantatersatz
Festsitzende, zementierte Implantatbrücken mit Keramikverblendungen lassen nach der Fertigstellung kaum noch Korrekturen zu. Keramik bricht auf Implantaten nachweislich häufiger als auf natürlichen Zähnen, weil die fehlende Nervversorgung der Implantate zu schlechter kontrollierten Kaukräften führt. Und wenn ein Implantat verloren geht, kann das gesamte Behandlungskonzept zusammenbrechen oder eine erneute Nachimplantation, sofern diese dann überhaupt noch möglich ist, und eine erneute Brückenversorgung notwendig werden.
Die Locatorprothese bietet hier deutliche Vorteile:
- Knochenverluste kaschieren: Der rote Prothesensattel gleicht Rückgänge des Kieferknochens oder Zahnfleisches optisch aus – etwas, das festsitzende Kronen nicht oder nur in geringem Umfang können, weil sonst die Reinigung nicht mehr möglich wäre.
- Lippenstützung: Der Kunststoff unterstützt die Lippen von innen, was gerade bei ausgeprägterem Knochenschwund für ein natürlicheres Aussehen sorgt.
- Einfache Reinigung: Nach dem Herausnehmen sind Prothese und Implantataufbauten von allen Seiten zugänglich – das erleichtert die häusliche Hygiene erheblich.
- Leichte Reparatur: Bricht ein Kunststoffzahn ab oder nutzt er sich ab, kann das Labor einen neuen Zahn einarbeiten. Ein Keramikzahn auf einer zementierten Brücke ist dagegen im Mund kaum zu reparieren.
- Sicherheitsnetz bei Implantatverlust: Geht ein Implantat verloren, bleibt die Prothese weiterhin nutzbar – entweder auf den verbliebenen Implantaten oder nach einer Erweiterung um ein weiteres.
- Bisskorrektur jederzeit möglich: Stellt sich nach der Eingliederung heraus, daß die Bisslage nicht stimmt, wird einfach ein neuer Biss genommen und die Kunststoffzähne werden im Labor neu aufgestellt. Dieser überschaubare Aufwand ist mit festsitzender Keramik nicht zu leisten.
Nachteile und Einschränkungen
Die wesentliche Einschränkung ist psychologischer Natur: Viele Patienten assoziieren „herausnehmbar" mit der klassischen Vollprothese und bevorzugen intuitiv den Begriff „festsitzend". Der Tragekomfort einer gut sitzenden Locatorprothese ist jedoch mit festsitzendem Ersatz durchaus vergleichbar.
Sind noch eigene Frontzähne vorhanden, benötigt die Prothese einen Verbindungsbügel zwischen den beiden Seiten. Im Oberkiefer handelt es sich um einen Gaumenbügel, im Unterkiefer um einen lingualen Bügel. Diese Bügel sind schmal und werden von den meisten Patienten nach kurzer Eingewöhnungszeit nicht mehr wahrgenommen.
Fallbeispiel aus 2012
Diesen Patienten habe ich 2012 mit einer Locatorprothese versorgt – meinen ersten Fall mit diesem Versorgungskonzept. Auf dem Gipsmodell des Labors sind die Locator-Aufbauten gut zu sehen: einmal als Nahaufnahme der charakteristischen Druckknopf-Kuppel, einmal in der Seitenansicht mit zwei Aufbauten.


Das Gipsmodell in der Aufsicht zeigt alle vier Locator-Aufbauten im Unterkiefer.

Die Unterseite der fertigen Prothese zeigt die vier blauen Kunststoffmatrizen, die auf die Locator-Aufbauten im Mund aufrasten. Der blaue Kunststoff ist wechselbar und kann bei Verschleiß durch eine neue Matrix ersetzt werden.

Ergebnis
Das Abschlussfoto zeigt die fertig eingegliederte Locatorprothese im Mund.

