Parodontitis: Früherkennung, Deep Scaling und Vitamin D

Die Parodontitis, oft noch „Parodontose" genannt, ist eine Entzündung des Zahnfleisches, die auf den darunter liegenden Knochen übergegriffen hat. In der Folge geht der Knochen zurück, der die Zähne hält – das Zahnfleisch folgt dem Knochenrückgang nach. Wenn dem Patienten das auffällt, etwa durch „Zahnverlängerung", Mundgeruch oder lockere Zähne, ist es oft schon sehr spät: Der langfristige Zahnerhalt ist dann häufig nicht mehr sicher möglich.

Früherkennung und Therapie

Früherkennung der Parodontitis durch den Zahnarzt ist entscheidend. Die Therapie erfolgt heute meist als Deep Scaling (= tiefe Zahnsteinentfernung), gegebenenfalls in Verbindung mit Antibiotika. Daran schließt sich die lebenslange Nachsorge an: regelmäßige, auch subgingivale (unterhalb des Zahnfleisches) professionelle Zahnreinigungen.

Völlig vermeidbar – wenn früh genug gehandelt wird

Je früher die Parodontitis erkannt wird, desto sicherer ist sie auszuheilen. Grundsätzlich ist sie völlig vermeidbar: Wer spätestens ab der Pubertät konsequent Zahnbeläge entfernt, vermeidet eine Gingivitis (= Zahnfleischentzündung) – und damit auch die Parodontitis. Genetisch bedingte individuelle Anfälligkeiten sind bekannt, ändern aber nichts an Therapie oder Vorbeugung.

Was jeder tun kann

  • Täglich Zahnbeläge am Zahnfleischrand entfernen – mit Zahnbürste und Zahnzwischenraumbürste oder Zahnseide. Letztere wirklich täglich.
  • Nicht rauchen.
  • Diabetes gut einstellen.
  • Vitamin-D3-Spiegel im Blut auf höher als 30 ng/ml bringen. Das gelingt häufig nicht ohne Vitamin-D-Tabletten – außer man lebt das ganze Jahr in sonnigen Gefilden.

Vitamin-D-Bedarf berechnen

Wieviel Vitamin D täglich einzunehmen ist, hängt von Körpergewicht und gewünschtem Zielwert ab. Der folgende Rechner von GrassrootsHealth – einer auf Vitamin-D-Forschung spezialisierten wissenschaftlichen Organisation – erlaubt eine individuelle Abschätzung:

GrassrootsHealth Vitamin-D-Dosierungsrechner

Einordnung des Rechners: GrassrootsHealth ist wissenschaftlich fundiert (Datenbasis: D*action-Studie, in Peer-Review-Zeitschriften publiziert) und berücksichtigt Körpergewicht sowie Ausgangswert. Als Advocacy-Organisation ist die Organisation allerdings auf hohe Vitamin-D-Spiegel ausgerichtet; die errechneten Dosen können die EFSA-Obergrenze (4.000 IE/Tag) überschreiten – ärztliche Rücksprache bei Hochdosierung ist sinnvoll. Für den deutschsprachigen Raum sind Apotheken-Rechner eine sicherheitsorientierte Alternative. Ausführliche Bewertung (PDF, erstellt mit Gemini, 4/26)

Vitamin D und Parodontitis: Aktuelle Literatur

Diese Empfehlung bezüglich Vitamin D und Parodontitis dürfte noch nicht allgemein bekannt sein, obwohl die wissenschaftliche Lage mittlerweile sehr klar ist. Hier eine Literaturübersicht aus 4/2026:

Vitamin D Supplementation and Periodontal Therapy – Literaturübersicht (PDF)

Meine persönliche Erfahrung

Seit 4/2026 dränge ich vor PA-Therapie verstärkt auf die Bestimmung des Vitamin-D-Spiegels im Blut. Die letzten Jahre habe ich das nur Patienten empfohlen, die trotz fehlender anderer Risikofaktoren nicht wie erwartet gut auf die Parodontaltherapie angesprochen haben. Und es fand sich dann regelmäßig ein Vitamin-D-Mangel im Blut – selbst gemessen am meines Erachtens zu niedrigen Grenzwert von 20 ng/ml. Mindestens 30 ng/ml Vitamin D3 sollte man laut der oben referierten Literatur erreichen. Auch mit 40–60 ng/ml befindet man sich nach meiner Einschätzung im grünen Bereich.