Parodontitis: Früherkennung, Deep Scaling und Vitamin D

Die Parodontitis, oft noch „Parodontose" genannt, ist eine Entzündung des Zahnfleisches, die auf den darunter liegenden Knochen übergegriffen hat. In der Folge geht der Knochen zurück, der die Zähne hält – das Zahnfleisch folgt dem Knochenrückgang nach. Wenn dem Patienten das auffällt, etwa durch „Zahnverlängerung", Mundgeruch oder lockere Zähne, ist es oft schon sehr spät: Der langfristige Zahnerhalt ist dann häufig nicht mehr sicher möglich.

Früherkennung und Therapie

Früherkennung der Parodontitis durch den Zahnarzt ist entscheidend. Die Therapie erfolgt heute meist als Deep Scaling (= tiefe Zahnsteinentfernung), gegebenenfalls in Verbindung mit Antibiotika. Daran schließt sich die lebenslange Nachsorge an: regelmäßige, auch subgingivale (unterhalb des Zahnfleisches) professionelle Zahnreinigungen.
Das erhält nicht zur Zähne, sondern regelmäßige, professionelle Zahnreinigungen senken laut einer Metaanalyse mit fast zwei Millionen Teilnehmern das Schlaganfallrisiko um 16 % (Moldes et al. 2026 (Originalstudie)).

Weitgehend vermeidbar – wenn früh genug gehandelt wird

Je früher die Parodontitis erkannt wird, desto sicherer ist sie auszuheilen. Grundsätzlich ist sie für die allermeisten weitgehend vermeidbar: Wer spätestens ab der Pubertät konsequent Zahnbeläge entfernt, vermeidet eine Gingivitis (= Zahnfleischentzündung) – und damit auch die Parodontitis.

  • Verbreitung: Das Vorbeugungspotential ist bei weitem nicht ausgeschöpft. Rund drei Viertel der 35- bis 44-Jährigen und über vier von fünf 65- bis 74-Jährigen in Deutschland haben eine behandlungsbedürftige Parodontitis – bei etwa jedem vierten bis fünften in schwerer Form. Innerhalb von nur neun Jahren hat sich der Anteil der Erwachsenen mit schwerer Parodontitis nahezu verdoppelt (DMS 6, 2025/2026).
  • Genetik: Individuelle Anfälligkeiten sind bekannt, ändern aber nichts an Therapie oder Vorbeugung – ich verzichte daher auf genetische Tests.
  • Osteoporose: Frauen nach den Wechseljahren mit Osteoporose haben etwa ein verdoppeltes Parodontitis-Risiko und verlieren mehr zahnstützenden Knochen (= Alveolarknochen). Gemeinsamer Treiber ist vermutlich der Östrogenmangel. Eine ausreichende Calciumversorgung, Vitamin D und Sport sind besonders wichtig – aber generell zu empfehlen. Literaturrecherche (PDF)

Was jeder tun kann

  • Täglich Zahnbeläge am Zahnfleischrand entfernen – mit Zahnbürste und Zahnzwischenraumbürste oder Zahnseide. Letztere wirklich täglich.
  • Nicht rauchen.
  • Diabetes gut einstellen.
  • Vitamin-D3-Spiegel im Blut auf höher als 30 ng/ml bringen. Das gelingt häufig nicht ohne Vitamin-D-Tabletten – außer man lebt das ganze Jahr in sonnigen Gefilden.

Vitamin-D-Bedarf berechnen

Wieviel Vitamin D täglich einzunehmen ist, hängt von Körpergewicht und gewünschtem Zielwert ab. Der folgende Rechner von GrassrootsHealth – einer auf Vitamin-D-Forschung spezialisierten wissenschaftlichen Organisation – erlaubt eine individuelle Abschätzung:

GrassrootsHealth Vitamin-D-Dosierungsrechner

Einordnung des Rechners: GrassrootsHealth ist wissenschaftlich fundiert (Datenbasis: D*action-Studie, in Peer-Review-Zeitschriften publiziert) und berücksichtigt Körpergewicht sowie Ausgangswert. Als Advocacy-Organisation ist die Organisation allerdings auf hohe Vitamin-D-Spiegel ausgerichtet; die errechneten Dosen können die EFSA-Obergrenze (4.000 IE/Tag) überschreiten – ärztliche Rücksprache bei Hochdosierung ist sinnvoll. Für den deutschsprachigen Raum sind Apotheken-Rechner eine sicherheitsorientierte Alternative. Ausführliche Bewertung (PDF, erstellt mit Gemini, 4/26)

Deutsche Referenzwerte: Die DGE (FAQ Vitamin D) nennt als Zielwert mindestens 50 nmol/l – das entspricht 20 ng/ml und liegt damit unter dem von der Parodontitis-Literatur empfohlenen Mindestwert von 30 ng/ml (= 75 nmol/l). Die DGE arbeitet mit anderen Einheiten als der GrassrootsHealth-Rechner: 1 ng/ml entspricht 2,5 nmol/l; 1 µg/Tag entspricht 40 IE. Die DGE-Empfehlung von 20 µg/Tag entspricht damit 800 IE, die EFSA-Obergrenze von 100 µg/Tag entspricht 4.000 IE.

Vitamin D und Parodontitis: Aktuelle Literatur

Diese Empfehlung bezüglich Vitamin D und Parodontitis dürfte noch nicht allgemein bekannt sein, obwohl die wissenschaftliche Lage mittlerweile sehr klar ist. Hier eine Literaturübersicht aus 4/2026:

Vitamin D Supplementation and Periodontal Therapy – Literaturübersicht (PDF)

Meine persönliche Erfahrung

Seit 4/2026 dränge ich vor PA-Therapie verstärkt auf die Bestimmung des Vitamin-D-Spiegels im Blut. Die letzten Jahre habe ich das nur Patienten empfohlen, die trotz fehlender anderer Risikofaktoren nicht wie erwartet gut auf die Parodontaltherapie angesprochen haben. Und es fand sich dann regelmäßig ein Vitamin-D-Mangel im Blut – selbst gemessen am meines Erachtens zu niedrigen Grenzwert von 20 ng/ml. Mindestens 30 ng/ml Vitamin D3 sollte man laut der oben referierten Literatur erreichen. Auch mit 40–60 ng/ml befindet man sich nach meiner Einschätzung im grünen Bereich.

Quellen

DMS 6 (Prävalenzdaten):
Eickholz P, Holtfreter B, Kuhr K, et al. Prevalence of the periodontal status in Germany: results of the 6th German Oral Health Study (DMS 6). Quintessence Int. 2025;56(Suppl):S40–S46. doi: 10.3290/j.qi.b5981979

DMS 6 (Inzidenz und Progression):
Kocher T, Zimmermann F, Aarabi G, et al. Incidence and progression of periodontitis and tooth loss between 2014 and 2023 in Germany: results of the 6th German Oral Health Study (DMS 6). Quintessence Int. 2026;57(Suppl):S34–S44. doi: 10.3290/j.qi.b6955516