Daueranweisungen für KI-Assistenten
Jede KI-Sitzung beginnt ohne Gedächtnis und ohne Kenntnis persönlicher Präferenzen. Daueranweisungen – je nach System Custom Instructions, System-Prompt oder Personalisierung genannt – beheben das: einmalig hinterlegt, gelten sie automatisch für alle folgenden Anfragen. Sie sind vermutlich die wirkungsvollste Einzelmaßnahme zur Verbesserung der Antwortqualität.
Daueranweisungen in verschiedenen KI-Systemen
Alle großen KI-Assistenten bieten persistente Anweisungen, nennen und positionieren sie aber unterschiedlich:
| System | Bezeichnung | Wo zu finden |
|---|---|---|
| ChatGPT | Benutzerdefinierte Anweisungen | Einstellungen → Personalisierung → Benutzerdefinierte Anweisungen (zwei Felder: Hintergrundinformation + Antwortstil; gilt global für alle neuen Gespräche; kostenlos und Plus) |
| Claude | Projektanweisungen / System-Prompt | claude.ai → Projekte → Projektanweisungen; für Claude Code: CLAUDE.md-Datei und Memory-Dateien im Projektverzeichnis |
| DeepSeek | Kein UI-Feature vorhanden | DeepSeek Chat bietet kein editierbares Anweisungsfeld; System-Prompts nur über die API (system role). Anweisungen müssen je Sitzung manuell eingegeben werden. |
| Google Gemini | Anweisungen für Gemini | Dreistrich-Menü (☰) → Einstellungen → Anweisungen für Gemini; gilt global für alle Gespräche, kostenlos verfügbar |
| Kimi | Kein klassisches Anweisungsfeld; stattdessen Long-Term Memory (Kimi Claw) | Kimi Chat speichert Nutzerpräferenzen automatisch über Gespräche hinweg (Kimi Claw). Kein manuell editierbares Anweisungsfeld wie bei ChatGPT oder Gemini. Kimi Code (Terminal-Agent, Modell K2.6): SKILL.md-Dateien in Skill-Verzeichnissen |
| Microsoft Copilot | Eingeschränkt; für Einzelnutzer kaum anpassbar | Enterprise: Microsoft Copilot Studio (Organisationsweite Konfiguration) |
| Perplexity | AI Profile / Custom Instructions | Profilbild → Settings → Profile (oder direkt: perplexity.ai/account/details) |
Meine persönlichen Daueranweisungen
Quellenangaben und Belegqualität
Quellenangaben sind obligatorisch. Die Quellenlage ist qualitativ zu bewerten: Angabe der Belegdichte (fundiert vs. dünn), Kennzeichnung von Konsens sowie Benennung von Widersprüchen zwischen Quellen, die nicht zweifelsfrei auflösbar sind.
Argumentationsstruktur und Stil
Deutliches Pro und Kontra zu Fragen oder Argumenten, möglichst mit Belegen. Fundierte Kritik macht klüger, nicht Bestätigung. Keine Redundanzen: bereits genannte Fakten oder Vermutungen werden nicht wiederholt. Der Inhalt beginnt ohne einleitende Floskeln direkt mit neuen Informationen. Dinge, die schon gesagt wurden, werden nicht in Tabellenform wiederholt: entweder nur Text oder nur Tabelle. Halluzinationen sind unbedingt zu vermeiden – keine Antwort ist besser als eine haltlose Spekulation.
Ablageorte
Checklisten oder andere Ausgaben werden nie in Google Notizen gespeichert, sondern ausschließlich in Google Docs, Google Tabellen oder Google Präsentationen.
Spezielle Rollen: Gems, Custom GPTs und Projekte
Über allgemeine Daueranweisungen hinaus erlauben alle großen KI-Plattformen die Einrichtung dedizierter Assistenten mit fest definierter Rolle, Persona, Wissensdokumenten und – teilweise – Werkzeugen. Der Unterschied zur einfachen Daueranweisung: Die KI nimmt eine spezifische Identität und Spezialisierung an, z. B. „Zahnmedizinischer Literaturassistent nach EBD-Kriterien" oder „Praxis-Organisationshelfer".
| System | Bezeichnung | Besonderheiten |
|---|---|---|
| ChatGPT | Custom GPTs (Meine GPTs) | Name, Beschreibung, System-Prompt, Wissensdateien, optionale Aktionen (API-Aufrufe); im GPT-Store teilbar; erfordert ChatGPT Plus |
| Claude | Projekte | System-Prompt + Wissensdateien je nach Plan; getrennte Konversationshistorie je Projekt; kostenlos (bis zu 5 Projekte im Free-Plan) |
| DeepSeek | Nicht verfügbar | Kein natives Pendant zu Gems oder Custom GPTs; spezialisierte Personas nur über Drittanbieter-Extensions möglich |
| Google Gemini | Gems | Eigener Name, Anweisungstext, optional hochgeladene Dokumente; mehrere Gems parallel möglich; kostenlos verfügbar (Erstellen nur über Web-Oberfläche, nicht in der App) |
| Kimi | Kimi Claw / Agent Swarms (Research Preview) | Kein Gems-Äquivalent (keine benannte Persona); stattdessen flexibles Agent-System: Kimi Claw Groups erlauben spezialisierte Agents mit eigenen Toolkits; Agent Swarms koordinieren bis zu 300 Sub-Agents (Kimi K2.6, April 2026, neu, wenig Doku) |
| Microsoft Copilot | Copilot Studio (Agent) | Vollständig konfigurierbare Agenten für Organisationen; erfordert Microsoft 365 und Copilot-Lizenz |
| Perplexity | Spaces | Kollaborative Arbeitsbereiche mit gemeinsamen Anweisungen und Dateien; für Teams geeignet |
KI-Agenten für Entwicklung und Aufgabenautomatisierung
Eine eigene Kategorie bilden agentenbasierte KI-Systeme, die nicht nur antworten, sondern selbständig Aufgaben ausführen: Dateien lesen und schreiben, Code testen, Werkzeuge aufrufen und mehrstufige Workflows abarbeiten. Die meisten pflegen dabei lokale Dateien im Projektverzeichnis als persistenten Kontext – das Pendant zu den Daueranweisungen im Chat, aber direkt am Projekt verankert (z. B. CLAUDE.md bei Claude Code, SKILL.md bei Kimi Code, .cursorrules bei Cursor, .github/copilot-instructions.md bei GitHub Copilot). Diese Entwicklung ist auch für nicht-technische Berufe relevant – etwa für die Erstellung und Pflege von Websites oder die Automatisierung von Dokumentenprozessen.
- Claude Code (Anthropic) – Terminalprogramm für Linux/macOS/Windows; liest und schreibt Dateien, führt Tests aus, arbeitet mit dem gesamten Projektverzeichnis. Diese Website wurde damit aus einem jahrzehntealten Format in Publii konvertiert (Details im Blog). API-Preise Claude Sonnet 4.6: $3,00 / $15,00 pro Mio. Token (Input/Output) – ca. 7× teurer als Kimi K2.5, ca. 21× teurer als DeepSeek V3.
- Kimi Code (Moonshot AI, Modell: Kimi K2.5) – Terminalbasierter Coding- und Automatisierungsagent; 256.000-Token-Kontextfenster erfasst auch sehr umfangreiche Codebases oder Dokumentensammlungen auf einmal. Nutze ich aktuell für die Administrierung meiner Linux Mint Cinnamon-VM, weil ich mich mit Linux nicht gut auskenne und Kimi Code nur ein Bruchteil von Claude Code kostet. API-Preise: K2.5 $0,44 / $2,00 pro Mio. Token (Input/Output); K2.6 $0,60 / $2,50.
- GitHub Copilot (Microsoft) – IDE-integrierter Assistent (VS Code, JetBrains u. a.) mit zunehmenden Agentenfunktionen; besonders für schrittweise Codeänderungen.
- Cursor – KI-nativer Code-Editor auf VS-Code-Basis; führt auf Anweisung mehrstufige Codeänderungen durch.
- Aider – Terminalbasierter Coding-Agent; arbeitet direkt mit Git und lässt sich mit verschiedenen Sprachmodellen betreiben.
- DeepSeek – Kein offizieller Terminal-Agent vergleichbar mit Claude Code oder Kimi Code; community-entwickelte CLI-Tools auf GitHub-Basis nutzen die DeepSeek-API, werden aber nicht von DeepSeek selbst gepflegt. API-Preise: V3 $0,14 / $0,28 pro Mio. Token (Input/Output); R1 (Reasoning) $0,55 / $2,19 – damit 3–7× günstiger als Kimi K2.5.
- gptme – Open-Source-Terminal-Agent („Your agent in your terminal"); unterstützt explizit DeepSeek (per
DEEPSEEK_API_KEY) sowie weitere Anbieter (Claude, Gemini, OpenAI u. a.); kann Shell-Befehle ausführen, Code schreiben, Dateien bearbeiten und Web-Seiten abrufen. gptme selbst ist kostenlos; es fallen nur die API-Kosten des gewählten Modells an – mit DeepSeek V3 die günstigste Kombination ($0,14 / $0,28 pro Mio. Token).
(Dieser Text wurde bezüglich Gemini von mir verfaßt/geprüft, zu den anderen erwähnten KIs hat Claude Code recherchiert und geschrieben.)
