Klinische Fotos mit dem Smartphone
Gute klinische Fotografie muss nicht schwer sein. Ich fotografiere seit Jahrzehnten, auch klinisch. Mit der klassischen Spiegelreflexausstattung – Kamera, Ringblitz, 100-mm-Makroobjektiv – konnte ich mich wegen Größe, Gewicht und Platzbedarf nie anfreunden. Für publikationsfähige Bilder bleibt das der Goldstandard; als Kliniker braucht man aber vor allem eine einfache, schnelle Möglichkeit der Dokumentation.
Von der Kompaktkamera zum Smartphone

Einige Jahre fotografierte ich klinisch mit der Sanyo Xacti VPC-E6 (Farbkorrekturfolie über dem Blitz), dann Jahre mit der Ricoh CX3 (weißer Plastikbecherausschnitt über dem Blitz zur Lichtabschwächung). Beides sind kleine Kompaktkameras mit herausragenden Makrofähigkeiten. Eine Zeitlang war es sogar möglich, Bilder per Spezial-SD-Karte drahtlos auf den PC zu übertragen – bis das irgendwann nicht mehr funktionierte.
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Das Xiaomi 14

Seit 2/2026 fotografiere ich mit dem Xiaomi 14, einem der wenigen Smartphones mit einem echten Telemakro (75 mm KB). Da das Gerät zum Kaufzeitpunkt bereits zwei Jahre auf dem Markt war, gab es ihn für ca. 500 €. Das Xiaomi 14 ist in Zusammenarbeit mit Leica entstanden, was sich in eigenen Leicamodi niederschlägt. Ich schwanke noch zwischen Leica vibrant und Leica authentic als Hauptmodus – beide jedoch mit dem Filter Leica natural.
Warum kein iPhone, kein Ultramodell?
Die Auswahl geeigneter Smartphones ist eng. Bis heute ist kein iPhone geeignet: Diese haben zwar teils Teleobjektive, aber kein Telemakro – nur eine Makrofunktion des Hauptobjektivs (ca. 24 mm KB), die erzwingt, das Gerät sehr nah ans Objekt zu halten. Klinisch ist das häufig nicht praktikabel.

Der Trend bei Android-Ultramodellen geht zu immer größeren Sensoren. Das verbessert zwar die Bildqualität, verschlechtert aber bei gleicher Fixblende die Tiefenschärfe – für Makrofotografie kontraproduktiv. Kein Ultramodell kaufen. Nach meinen Recherchen wäre das Vivo X300 eine denkbare Alternative zum Xiaomi 14; ohne eigene Tests kann ich das nicht sicher empfehlen.
Workflow
Die eingebaute Galerie-App des Xiaomi 14 habe ich deaktiviert, weil sie zu stark mit Google Fotos verwoben ist: In der Galerie gelöschte Bilder verschwanden auch dort – schlecht, wenn man Google Fotos als temporäres Backup nutzt. Stattdessen Aves Galerie: Bilder lassen sich lokal löschen, ohne das Backup zu berühren. Drehen und Spiegeln ist einfach möglich – Spiegeln ist wichtig bei Aufnahmen über den Spiegel, um die Orientierung wiederherzustellen. Trotz deaktivierter interner App lassen sich die Bearbeitungsfunktionen des Xiaomi 14 weiterhin aus Aves Galerie heraus nutzen.

Nach Aves Galerie starte ich Google Fotos; die Bilder werden automatisch hochgeladen. Als Sicherungsqualität empfehle ich „Speicherplatz sparen (etwas geringere Auflösung)" – deutlich kleinere Dateien, kaum sichtbarer Qualitätsverlust. Am PC lade ich die Bilder herunter, kopiere sie ins PVS, maile sie ggf. verschlüsselt an den Zahntechniker. Der Verzicht auf SD-Karte spart spürbar Zeit. Die Übersichtsaufnahmen für den ZTM als Okklusionsprotokoll entstehen mit einem günstigen, LED-beleuchteten Stahlspiegel.
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